Archiv der Kategorie: Rüderswil

Herbststimmung an der Emme

Herbst an der Emme
Herbststimmung an der Emme

Vom Südwesten her fällt das Licht der Sonne auf das Herbstlaub am Ufer der Emme. Die bunten Blätter beginnen zu leuchten, im Wasser spiegelt sich das Farbenspiel, das fröhlich, aber doch auch etwas melancholisch wirkt: Die letzten Wochen eines schönen Jahres sind angebrochen, bald wird alles kahl, bereit für den Winter. Aber noch einmal erstrahlt alles, noch einmal leuchten die kräftigen Herbstfarben!

Eine neue Webseite für die Kirchgemeinde Rüderswil

www.kircheruederswil.ch (Anklicken für Vergrässerung)

Unsere Kirchgemeinde kann jederzeit im Internet besucht werden, Menschen finden hier Informationen zu den Gottesdiensten, können sich aber auch Fotos von der Kirche ansehen oder die Pfrundscheune für eine Geburtstagsfeier reservieren. Nach zehn Jahren haben wir unsere Webseite rundum erneuert und freuen uns, dass wir virtuelle Besucher mit einem frischen und übersichtlichen Layout willkommen heissen können!

Ostern in Rüderswil

Ostergrüsse beim Dorfeingang

Bald ist Ostern und der Ortsverein Rüderswill liess es sich nicht nehmen, die Dorfeingänge von Zollbrück und von Goldbach her zu schmücken. Eine schöne Blumendekoration und ein kleiner Osterbaum wecken die Freude auf das kommende Osterfest und auf den Frühling. Ein herzliches Dankeschön an den Ortsverein Rüderswil!

Hüehnergschichte

Sit em vergangene Früehlig hei mir e Güggel: Er heisst Bänzli u ghört zur Familie vo de Appezäller Spitzhubehüehner. I üser fröhliche Hüehnerfamilie het är sich guet igläbt, wenn är am Morge zum Stall us chunt, stellt är d Chragefädere u stolziert mit Outorität dür ds Höfli, grad so wie Güggle das halt im Bruch hei. Derzue git är Bscheid, dass är hier der Meischter isch, lut, klar u nid öppe nume einisch!

Aber, we mir wei ehrlich sy, mit em Güggelstolz hets am Afang doch no chli ghaperet! D Hüehner sy halt lenger da, kenne e Zyt ohni Güggel u mache was si wei! Wo änds Herbscht die Tierli wider i Garte hei dörfe ga picke, sy d Hüehner tifig vorus u hei em Güggel nüt derna gfragt! Em Bänzli het das aber gar nid passt! Mit ufgestelltem Chamme u gstrecktem Hals het är druf lut us em Hüehnerhöfli grüeft: Kikeriki! Kikeriki!! De Hüehner isch das aber glych gsi; ds Rüefe vom Güggel isch nid beachtet worde. Es paar Tag speter het de der Bänzli o gmerkt, was es im Garte alles z’entdecke git u isch mit grosse Schritte mit, we am Abe ds Töri vom Hüehnerhof isch ufgmacht worde.

Mit em Lehre isch das halt so e Sach. Der Bänzli het lang nid wölle igseh, dass Hüehner im Stall uf em Stängeli schlafe. Nei, är hät zum übernachte lieber es grüens Plätzli höch obe uf eme Öpfelboum gha. Abe für Abe het är vom Stalldach us e Sprung gnoh und het sich i de Escht es Plätzli gsuecht. U so hei mir ihn halt Abe für Abe müesse sueche u wider vom Boum abe näh, mängisch o mit ere Leitere. Irgendeinisch isch de aber doch ds Zwänzgi abe!

Schnee u Isch hei Hüehner gar nid gärn. Wen es ir Nacht gschneit het u am Morge alles glaarig wiss isch, de luege d Hüehner zum Stall us u wüsse im erschte Momänt nid rächt, ob si wei usecho oder doch no einisch zrügg uf ds vertroute Stängeli! Drum nä mir am Morge der Bäse u wüsche der Schnee wäg, so guet das halt müglich isch. De isch es o de Hüehner wider bas! Wenn der Winter chunt u d Chelti mitbringt, de legge d Hüehgner weniger Eier. A däm isch aber nid nume d Chelti dschuld. Es isch o wägem Liecht; we d Sunne o am Mittag töif über em Bärg steit u scho am Namittag ds Ändi vo ihrer Himmelsbahn erreicht, de mache o d Hüehner e Pouse.

Website lädt zum virtuellen Kirchenbesuch ein

Homepage Kirchenvisite
Screenshot Kirchenvisite.ch

Ein neues Angebot der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn ist online: Die Website Kirchenvisite.ch bietet zu allen Kirchen des Verbandsgebietes Beschreibungen, die mit zahlreichen aktuellen Photos bereichert wurden. Insgesamt 303 Kirchen können online besucht werden. Gefunden werden können alle Kirchen anhand des Namens, des Alters oder der Position auf der Landkarte. Die Seite hat das Ziel, «den reichen Kulturschatz, den diese Gebäude darstellen, für die Öffentlichkeit zu dokumentieren. Dass man um dieses Kulturerbe weiss, ist die Voraussetzung dafür, dass es erhalten bleibt und weiterhin genutzt wird».

Pfirsiche

Pfirsiche am Spalierbaum

Lange war es ungewiss, ob wir dieses Jahr Pfirsiche ernten können, denn im Frühling gab es immer wieder Fröste; wir mussten den 5 Jahre alten Spalierbaum gut zudecken. Glücklicherweise blühte er relativ spät, die Knospen öffneten sich erst, als die Frostnächte vorben waren. Gerade so, als ob der Baum mit dem Öffnen der rosaroten Blüten auf den richtigten Zeitpunkt warten wollte. Bei den Aprikosen hatte wir weniger Glück, trotz dem Flies, das gegen den Frost schützen sollte, starben fast alle Blüten ab.

Und nun hängen die Aprikosen fast wie Trauben an den Zweigen, gross und in leuchtenden Farben. Jeden Tag werden einige reif. Auch die Wespen wissen natürlich, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist und holen sich dann ihren Teil. Wir lassen sie gewähren und haben deshalb kein Netz über den Baum gespannt. Die Pfirsiche sind dieses Jahr zuckersüss! Wer kann da wiederstehen?

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Auch vor wenigen Jahren gab es viele und schöne Pfirsiche. Zur Reifezeit kamen immer wieder zwei Kinder zum Baum. Sie wussten, dass sie nicht selbst pflücken durften und warteten darauf, dass sie je eine Frucht aussuchen durften.

«Wahre Liebe verurteilt nicht, aber sie nimmt Anteil»

Zusammenfassung einer Predigt von Pfarrer David Mägli, gehalten in der Kirche Rüderswil am 5. Juli 2020.

«Hören wir darum auf, einander zu verurteilen! Statt den Bruder oder die Schwester zu richten, prüft euer eigenes Verhalten, und achtet darauf, alles zu vermeiden, was ihnen ein Hindernis in den Weg legen und sie zu Fall bringen könnte.» (Römerbrief 14,13, NGÜ)

David Mägli richtet in seiner Predigt den Blick auf die vom Zeitgeist geprägte Toleranz und entdeckt darin einen Widerspruch. Einerseits sei der moderne Toleranzbegriff geprägt vom Ideal «Leben und leben lassen»: Toleranz wird auch dann erwartet, wenn etwas nicht unseren Wertvorstellungen passt. David Mägli spricht auch von einer Toleranz, die sich verselbstständigt hat. Auf der anderen Seite seien Menschen, die genau diese Toleranz für sich einfordern, nicht bereit, die Denkungsart anderer gelten zu lassen. David Mägli liefert dazu mehrere Beispiele: Das Gedicht eines berühmten Poeten musste von einer Fassade entfernt werden, obwohl es dort seit Jahren zu lesen war. Grund: Es ist mit extrem-feministischen Ansichten nicht vereinbar, da es die Schönheit der Frau rühmt. Oder: Mehrere Filialen des Chocolatier Läderach wurden vandaliert, weil die Unternehmerfamilie evangelikal ist.

So werde Toleranz totalitär, warnt David Mägli. Und gemäss dem Predigttext aus dem Römerbrief stehe es Christen nicht zu, über andere zu richten. Da stelle sich dann aber auch die Frage, wie Toleranz aus christlicher Sicht aussehe. Nicht verurteilen bedeute nicht, dass Christen dem Unrecht gegenüber gleichgültig bleiben und schweigen, betonte David Mägli: «Wahre Liebe verurteilt nicht, aber sie nimmt Anteil». So seien Christen gehalten, auf Fehler hinzuweisen, ohne aber ein Werturteil abzugeben. Dieses stehe Gott allein zu. Nur er könne einen Menschen richtig beurteilen, da er in dessen Herz sehe.

Winter auf dem Steinberg

Winter auf dem Steinberg

Dieses Photo wurde am 2. Januar 2020, vormittags um 10 Uhr aufgenommen. Auf den Bäumen hat sich während der Morgendämmerung dichter Reif gebildet, der nun im Sonnenlicht glitzert. Auf der linken Seite ist noch Nebel zu sehen, der sich gerade auflöst.

Von Rüderswil nach Solothurn, ohne Auto

Kann man vom Dorfzentrum in Rüderswil ohne Auto in die Ambassadorenstadt pendeln? Hier die Antwort vorweg: Ja, man kann! Aber eine gehörige Portion Geduld sollte im Reisegepäck dabei sein!

Rüderswil ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, aber es gibt den Bürgerbus, der Reisende zwischen Zollbrück, Rüderswil, Schwanden und Lützelflüh befördert. Dies allerdings nicht den ganzen Tag. Und auch am Wochenende bleibt der Bus im Depot. Da ich während zwei Tagen kein Auto hatte, wollte ich genau wissen, wie lange der Weg nach Solothurn dauert und wartete an einem verschneiten Wintermorgen vor der Kirche erwartungsvoll auf den Bürgerbus.

Kartenausschnitt
Anzeige der Route (Screenshot Google Maps)

Dieser kommt mit einer kleinen Verspätung. Die Strasse über das Emmenknie sei verschneit, sagt der Chauffeur, deshalb fahre er zur Sicherheit etwas langsamer. Dann geht die Fahrt los, zuerst zum Gemeindehaus, dann über über die besagte Anhöhe nach Schwanden und zuletzt in den tief verschneiten Nesselgraben. Hier steigen – ohne viel Worte zu machen – einige Schüler ein, auch sie sind unterwegs in Richtung Burgdorf. Es ist mittlerweile schon fast halb Acht und das erste Dämmerlicht des jungen Tages wandert über die Hügel, auf denen frischer Schnee liegt. Es ist ein besonderer Anblick; gerade so, als ob alles verzaubert ist, als ob hier ein Ort ist, wo sich Fabelwesen und Menschen zusammen auf den neuen Tag freuen.

Jetzt fährt der Bus zügig durch Goldbach, dem Bahnhof in Lützelflüh entgegen, denn der Anschlusszug, der um 7:32 Uhr fährt, soll noch erreicht werden. Dies gelingt trotz der Verspätung ohne Probleme und wir können ohne Hast einsteigen, der Pendelwagen der BLS ist soeben im Dorf angekommen. So geht es weiter talabwärts, nach Hasle, Oberburg und Burgdorf, wo wir um 7:45 Uhr eintreffen. Mittlerweile ist es hell geworden. Und der Morgen schreitet in hastigem Tempo voran, alle wollen jetzt rasch zur Arbeit oder zur Schule! Für mich heisst es jetzt erst einmal: warten! Die S44 nach Solothurn fährt nämlich erst um 8:15 Uhr, fast eine halbe Stunde später! Die erste Kaffeepause ist angesagt. Und dann, endlich, der letzte Zug in das breite Aaretal nach Solothurn. Bevor Sie nach Utzenstorf kommen, vergessen Sie nicht, aus dem Fenster zu schauen. Und geniessen Sie den Blick auf die weite Ebene, die sich nun nach beiden Seite der Zugstrecke öffnet.

Doch dies ist nicht das letzte Stück Wegstrecke, weil ich in der Solothurner Weststadt arbeite, die zu Fuss in ca. 20 Minuten zu erreichen ist. Es fährt zwar ein Stadtbus, doch abermals passt der Anschluss nicht! Die Lösung besteht darin, in einen Bus zu steigen, der bis zum Postplatz fährt. Und nun sind es nur noch zehn Fussminuten bis zum Gewerbezentrum Obach! Hier kommen ich um 8:55 Uhr an.

Die Fahrt Rüderswil Dorf nach Solothurn West dauert also eine Stunde und 45 Minuten, wobei 30 Minuten reine Wartezeit sind. Während der Reise muss dreimal umgestiegen werden, zweimal davon gibt es keinen Anschlusszug, resp. Bus. Hier zum Vergleich die Fahrtzeit mit dem PW: 45 Minuten! Meiner Meinung nach ist die ÖV-Variante für einen Pendler nicht praktikabel. Denn obwohl im Zug gemütlich ein schönes Buch gelesen werden kann: Es geht zuviel Zeit verloren, die dann am Abend fehlt. Die Alternative geht so: Mti dem PW nach Hasle-Rüegsau, dann auf den Zug umsteigen. Reisezeit gesamt: 80 Minuten.

Diese Erfahrung wird mich indes nicht davon abhalten, hin und und wieder am Morgen auf den Bürgerbus zu warten. Aus reiner Sympathie zu diesem wirklich guten Projekt!

Ein Verkehrskreisel, der das Auge erfreut

Seit wenigen Tagen steht auf dem Verkehrskreisel beim Dorfeingang Zollbrück das Modell einer Holzbrücke. Im Ort ist man sich über den neu gestalteten Kreisel einig: Er sieht grossartig aus!

Wer von Burgdorf her auf der Hauptstrasse nach Zollbrück fährt, wird seit seit kurzem am Dorfeingang von einem einzigartigen Blickfang begrüsst: Mitten auf dem Verkehrskreisel bei der Landi steht das schmucke Modell einer alten Holzbrücke. Sie erinnert an die Holzbrücke, die dem Dorf den Namen gab und in der Nacht vom 1. August 1947 niederbrannte. Der Brückenkreisel entstand auf Initiative der Gemeinde Rüderswil, für die Umsetzung wurden Unternehmen aus der Region berücksichtigt. Beflanzt wurde der Kreisel vom Landschaftsgärtner Elias Finkam, die Hirsbrunner Holzbau AG baute die Brücke. An der Realisierung beteiligt war ferner Hans Muralt mit Unterstützung der Krähenbühl AG.

Blick auf den neu gestalteten Kreisel in Zollbrück

Den Naturgewalten zum Opfer gefallen
Blicken wir in die Vergangeheit. Das Emmentaler Dorf ist untrennbar mit den alten Zollbrücken verbunden, die erste entstand im Jahr 1552, es war eine Jochbrücke die schräg über die Emme gebaut wurde und auf vier Pfeilern stand. Zollbrücke wurde sie genannt, weil für die Benutzung der Brücke eine Gebühr zu entrichten war. Alte Zolltafeln verraten, wie hoch die Preise waren: Einzelpersonen bezahlten einen Pfennig; tiefer in die Tasche greifen musste ein Reiter, zwei Pfennige verlangte der Zöllner von ihm! Was geschah mit diesem Geld? Die eine Hälfte musste an die Stadt Bern abgeliefert werden. Den Rest behielten die Brückenbaugemeinden, sie verwendeten das Geld für den unterhalt und entlöhnten den Zöllner. Apropos, ab 1565 durfte dieser auch wirten! Wie die ersten Brücke genau ausgesehen hat, wissen wir leider nicht; gewiss ist nur, dass sie im Jahr 1837 bei der grossen Wassernot zerstört wurde.

1839 wurde eine neue Holzbrücke fertiggestellt, sie entstand nach den Plänen von Johann Rudolf Gatschet, eines Ingenieurs und Offiziers, der später Genie-Chef der eidgenössischen Truppen wurde und sich am Sonderbundskrieg beteiligte. Vieles war neu an dieser Bogenbrücke, sie benötigte keine Joche mehr und bot damit weniger Angriffsfläche für die Wassermassen Emme.

Niemand weiss, wer das Feuer gelegt hat
«Mit der vom Feuer verzehrten Zollbrücke bei Lauperswil ist nicht allein ein treffliches Beispiel alter Zimmermannskunst, sondern auch ein Wahrzeichen gutschweizerischer Eigenart vernichtet worden.» So berichtete der «Bund» vom Brand der Brücke im August 1947. Aus bis heute ungeklärten Gründen brannte sie vollständig nieder. Nur noch Reste der gemauerten Sockel sind am Emmeufer neben der neuen Brücke zu erkennen. Diese neue Brücke ist ein reiner Zweckbau, eine Betonbrücke mit Fussweg, auf dem Passanten gerne stehen bleiben, um sich an der malerischen Emmelandschaft zu erfreuen.

Buchempfehlung: Hanspeter Buholzer und Daniel Fuchs (Bilder): «Holzbrücken im Emmental» (214 Seiten, ISBN 978-3-905980-30-1). Das Buch kostet 48 Franken und ist im Buchhandel, im Regionalmuseum Langnau oder online unterwww.holzbrueckenimemmental.ch erhältlich.