Der Glaube an das Gute

Die Geschichte könnte sich vor wenigen Wochen zugetragen haben, als das Emmental von schweren Überschwemmungen heimgesucht wurde. In einem der der in Mitleidenschaft gezogenen Dörfer hielt am Abend ein Auto mit einem Nummernschild aus einem anderen Kanton an. Jemand stieg aus, ging die Strasse auf und ab und besah sich die Verwüstungen, die der über die Ufer getretene Bach angerichtet hatte. Ein Anwohner beobachtete den Besucher aufmerksam und wurde dann argwöhnisch: Aha, noch so ein Katastrophentourist. Kurz entschlossen ging er auf den Fremden zu und sagte ihm in einem nicht gerade freundlichen Ton, dass es hier nichts Interessantes zu sehen gäbe! Überrascht und erschrocken entschuldigte sich der Besucher zuerst und ging dann zurück zu seinem Auto.
Aber vielleicht wollte der Fremde nur einen Bekannten besuchen, wusste den Weg dorthin nicht genau und sah sich deswegen um. Für den Dorfbewohner, der nichts gutes ahnte, wäre dies auf jeden Fall beschämend. Zugleich muss man ihn aber auch in Schutz nehmen, denn wenn ein Dorf von Unwettern betroffen ist, dann hat dies bei den Betroffenen neben Sorgen und Existenzängsten auch Stress zur Folge. Menschen, die unter Stress stehen, reagieren anders. Hinzu kommt, dass eine gesunde Portion Misstrauen nichts schlechts ist, zumal sie in manchen Lebenssituationen vor schlimmerem bewahren kann.

Und auch die folgende Erkenntnis ist nicht neu: viele Menschen sind eher bereit, an das Schlechte zu glauben als an das Gute. Schon Jeremas Gotthelf beklagte dies, zum Beispiel in einer seiner Kalenderpredigten. Und einer der grössten Menschenkenner, Jesus aus Nazareth, wies darauf hin dass uns nicht das verunreinigt, was wir essen, sondern schlechte Dinge, die wir sagen – und zuvor gedacht haben. Es ist eine alte Erkenntnis, dass vor der Tat die ausgesprochene Absicht steht, die selbst das Ergebnis der Gedanken ist. Und nicht weniger alt ist das Wissen darüber, dass Gedanken nicht zollfrei sind. Das heisst, dass sie uns verändern können, Auch darauf wies Jesus mehrfach hin, etwa wenn er vom Licht in uns sprach. Finstere Gedanken verdunkeln auch uns selbst!

Daraus kann man nun auch sehen, was gute Gedanken in uns auslösen. Sie sind wie ein Licht , das uns erhellt. Oder wie eine Brücke, die in guter und wohlwollender Absicht zu unseren Menschen führt. Gute Gedanken bleiben nicht ohne Wirkung in unserem Gemüt, das bemerken auch die Menschen, die um uns sind. Und ganz besonders Kinder, gerade ihnen bleiben auch feinste Regungen nicht verborgen. Und wer sich im Leben immer wieder einen guten Gedanken fasst, erhellt nicht nur sich selbst, er löst damit auch den Nebel auf, der ihn von Gott trennt, Gute Gedanken säumen den Weg in den Himmel. Das mag nun pathetisch klingen, nichtsdestotrotz ist es wahr! Und es gibt noch eine wichtige Erkenntnis, die ich abschliessend erwähnen möchte: Der Glaube an das Gute kann antrainiert werden: Wer es regelmässig und bewusst tut, macht es sich zur Gewohnheit.

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