Unterwegs mit dem E-Book Reader

Pünktlich fährt der Zug im Bahnhof Hasle-Rüegsau ein und im Abteil, in das ich einsteige, hat es nich viel Platz, so dass ich es mir bequem machen kann. Die Fahrt vom Emmentaler Dorf zum Arbeitsplatz in Solothurn dauert ca. 40 Minuten und ich verbringe diese Zeit am liebsten mit Lesen. Bei der Lektüre eines spannenden Buches ist es schon vorgekommen, dass ich mir wünschte, der Zug hat irgendwo auf dem Weg eine Panne! In der Umhängetasche befinden sich meistens eines oder zwei Bücher, es kann auch aber auch ein drittes dazu kommen. Das geht gut, solange die Bände handlich und leicht sind. Erreichen sie das Format eines mittelalterlichen Folianten, kann das Lesevergnügen zu einer gewichtigen Sache auf dem Weg zur Arbeit werden.

Elektronische Tinte spart Strom
Wer alle seine Lieblingsbücher stets bei sich haben möchte, findet heute mit einem E-Book Reader (kurz: E-Reader) eine praktische und vielseitige Alternative. Die kleinen Geräte wiegen rund 200 Gramm, haben das Format eines schlanken Taschenbuches und können problemlos mehrere Tausend Bücher speichern, die auf Knopfdruck abrufbar sind. Im Gegensatz zu Smartphones oder Tablets versagt der Akku den Dienst nicht schon nach wenigen Stunden, sondern im günstigsten Fall mehrere Tage! Wie ist das möglich? E-Reader verwenden nicht die energieintensive Technik, die bei Smartphones oder Tablets zur Anwendung kommt (TFT/LED), sondern sogenannte «E-Ink», elektronische Tinte. E-Ink Displays können keine Farben darstellen, nur Grautöne, ausserdem sind sie deutlich träger im Seitenaufbau. Spielen oder Filme ansehen ist definitiv kein Thema! Dafür hat E-Ink nebst dem geringen Stromverbrauch mindestens zwei weitere, entscheidende Vorteile: E-Ink Displays können Texte gestochen scharf darstellen und die Anzeige bleibt auch im starken Licht gut lesbar – so wie der Test auf einem weissen Blatt Papier. Da bei der E-Ink Technik mit mikroskopisch kleinen Polymer-Kugeln gearbeit wird, in denen durch elektronische Impulse schwarze Farbpartikel bewegt werden, ergibt sich ein weiterer Vorteil: ist eine Seite auf dem Display aufgebaut, benötigt sie keinen Strom mehr, sie bleibt sogar stehen, wenn das Gerät ausgeschaltet wird!

Trekstor 4Ink

Weltbild 4Ink Reader (Foto: Weltbild)

Ich benutze seit einigen Monaten den «Trekstor 4-Ink», der vom Weltbild verkauft wurde. Das Gerät gibt sich bewusst spartanisch, es hat keinen Touch-Screen keinen Webbrowser, keine Wireless-Verbindung und auch sonst nichts, was irgenwie vom Lesen ablenken könnte. Neuere Geräte geben sich in bezug auf den Funktionsumfang wesentlich grosszügiger …und sie sind auch teurer! Der 4-Ink zeigt nach dem Einschalten eine Liste der Bücher an, die zuletzt gelesen wurden, ausserdem die zuletzt installierten Bücher und einen Link zur Bibliothek, die den Zugang zu allen gespeicherten Bänden ermöglicht. Besonders Querlesern kommt der 4-Ink mit praktischen Funktionen entgegen. Er «merkt» sich nicht nur die zuletzt gelesenen Bücher, sondern auch jeweils die Seite, die vom dem Verlassen aufgeschlagen war. Lesezeichen können übrigens so viele gesetzt werden, wie benötigt. In der realen Welt würde das vielleicht aussehen wie ein altes Buch, das über Jahre mit Zetteln, Karten und Kartinlesezeichen annotiert worden ist.

Der (meist) einfache Weg zum Buch
Bücher für den E-Reader können heute auf vielfältige Weise bezogen werden: im Online-Handel oder in Online-Bibliotheken. Es gibt auch ein umfangreiches Angebot kostenloser Bücher, die indes meist älteren Datums sind. Ein guter Einstieg ist das Projekt «Gemeinfreiheit», das viele Klassiker in deutscher Sprache bietet. Dyrunter Karl May, Jules Verne oder Arthur Conan Doyle. Viele weitere Seiten mit freien Büchern sind im Forum von lesen.net zu finden. Wer aktuelle Titel bevorzugt, kann seine E-Books über die Webpräsenz eines Buchhändlers beziehen: Booknet, Stauffacher oder Weltbild. Hier werden die gewünschten Bücher zuerst in einen Warenkorb gelegt, dann online bezahlt und zuletzt heruntergeladen.

Sind die Bücher ausgewählt auf dem PC im EPUB oder PDF Format gespeichert, müssen sie auf den E-Reader kopiert werden. In den meisten Fällen geht dies durch einen einfachen Kopiervorgang, nachdem das Gerät via USB-Kabel am PC angeschlossen worden ist. Bei meinem 4-Ink Gerät ist dies der einzige Weg: die Bücher via Online-Shop auf dem PC auswählen, herunterladen und dann auf den E-Reader kopieren. Das klingt etwas umständlich. Tatsächlich haben besser ausgestattete Geräte wie der neue Weltbild-Reader «Tolino» oder der Cybook einen integrierten Webbrowser, der alles etwas einfacher macht: Bücher im Shop auswählen, bezahlen, fertig!

Das digitale Bücherregal
Kennen Sie das? Sie haben in Ihrem Regal vielleicht 100-200 Bücher (sie haben sich über die Jahre halt einfach angesammelt!) und suchen nun ein ganz bestimmtes davon. Ist das Regal säuberlich nach Alphabet oder Thema geordnet, genügt ein Griff. In jedem andern Fall kann es etwas länger dauern. Sobald sich auch auf dem E-Reader einige Bücher angesammelt haben, entsteht ein ganz ähnliches Problem: wo ist der «Glöckner von Notre Dame», oder welches Buch habe ich gerade noch letzte Woche gekauft? Wie im realen Bücherregal können auch auf dem E-Reader Bücher geordnet werden. Auch der schlicht ausgestattete 4-Ink kann Ordner erstellen und die Bücher thematisch geordnet ablegen.

Mittlerweile ist der Zug in Solothurn angekommen, ohne Panne… den E-Reader habe ich schon einigen Minuten zugeklappt und in der Tasche verstaut, abschalten muss ich ihn nicht, das tut er nach einer paar Minuten selbstständig. Durch die vielen Pendler auf dem Perron suche ich mir einen Weg zum Ausgang und dann zum Bus-Terminal (neudeutsch). Dort beginnt dann die letzte kurze Etappe zum Atbeitsplatz.

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