Linux Tool der Woche: PyRoom

Wir alle kennen das Problem nur zu gut: wer sich auf das Lösen einer Aufgabe konzentriert oder sich in einem kreativen Denkprozess befindet, wird nicht gerne unterbrochen. Unterbrechungen aller Art stören diesen Prozess schmerzlich. Ja treffen uns nicht selten gerade dann, wenn wir einen Gedankenfaden spinnen, den wir hinterher nicht wieder aufnehmen können. Oder wenigstens Zeit brauchen, um den Gedanken wieder aufnehmen zu können. Nicht umsonst wurde die Regel «Du sollst nicht unterbrechen» in breiten Kreisen zum elften Gebot erhoben. Und Schopenhauer, der grosse deutsche Denker, äussert sich in einer eigenen Schrift zu diesem Thema und findet deutliche Worte: «Der Lerm aber ist die impertinenteste aller Unterbrechungen, da er sogar unsere eigenen Gedanken unterbricht, ja, zerbricht.»

Nun ist es nicht nur der Lärm, der unsere Gedanken hindert und zerstreut. Es können auch visuelle Effekte sein. Wir können das selbst beobachten, wenn wir uns in einem Raum befinden, in dem ein Fernseher läuft: auch wenn die Lautstärke ganz zurückgedreht ist, lassen wir uns immer wieder von den bewegten Bildern ablenken, sehen zum Bildschirm, obwohl wir dies gar nicht wollen! Der Grund: hier wird eine archaische Schutzfunktion aktiv, jede Bewegung ist in einer natürlichen Umgebung eine potentielle Bedrohung. Hinter dem Gebüsch, das sich bewegt, könnte ein Säbelzahntiger auf der Lauer liegen und sich zum Sprung auf uns bereit machen.

Ganz so gefährlich wird es beim Arbeiten am Bildschirm erfreulicherweise nicht. Dennoch gibt es auch hier immer wieder Affekte, die beim Arbeiten stören können. Microsoft Windows Anwender werden immer wieder mit kleinen gelben Popups am unteren rechten Bildschirmrand beglückt, die auf eine Softwareupdate hinweisen. Das ist eine durchaus gute und sinnvolle Einrichtung, aber eben: sie kommt gerne zur Unzeit. So wie ein administrativer Hinweis vom Virenscanner oder ein Popup, das sich öffnet weil jemand mit uns chatten will. Und da ist noch etwas, das uns nun zum Thema dieses Beitrages bringt: die meisten Desktops sind angereichert mit den verschiedensten Bedienelementen: Fenster, Taskbars, Menubars usw. Auch diese Objekte können ablenken, wenn wir gerade dabei sind, einen Text zu schreiben. Es würde vollauf genügen. wenn auf dem Display nur der Text zu sehen wäre, der sich gerade in Arbeit befindet.

PyRoom in Aktion

Genau dies tut unser Linux Tool der Woche: pyRoom. Es ermöglicht das störungsfreie Texten am PC. PyRoom erzeugt eine Atmosphäre der visuellen Stille, sobald es gestartet wird: es füllt den ganzen (!) Bildschirm mit einer frei wählbaren Hintergrundfarbe. Zu sehen sind keinerlei Bedienelemente. Weder Menus, noch Symbolleisten, noch Statuszeilen – nur der Text, der gerade geschrieben wird. So wird die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche gelenkt. Und dies ist nicht der einzige Vorteil. Wer viel schreibt, ermüdet bei einem schlichten Bild mit einheitlicher Farbgebung weniger schnell.

PyRoom bietet alle Funktionen einer einfachen Textverarbeitung. Es liest und schreibt unformatierte Textdateien, bietet eine Autosave-Funktion und kann auch mit mehreren Texten umgehen, zwischen denen hin und hergeschaltet werden kann (Textpuffer). Damit ist der Funktionsumfang im wesentlichen bereits vorgestellt – mehr muss das Programm nicht können, denn alles weitere soll mit der Software erledigt werden, mit der der Text schlussendlich verarbeitet wird: Textverarbeitung, HTML Editor, Blog, etc. Ergänzt wird der Funktionsumfang lediglich durch einen Dialog für verschiedene Programmeinstellungen: Autosave, verwendete Farben und Schriften, etc.

Bei den meisten Distributionen gehört PyRoom nicht zum Standardumfang. Deshalb folgen hier noch ein paar Hinweise zur Installation. Zuerst sollte eine aktuelle Version der Programmiersprache Python installiert werden, falls dies nicht bereits geschehen ist. Zudem sollten die GTK- und XDG-Bindings mitinstalliert werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann PyRoom heruntergeladen und entpackt werden. Im neu erzeugten Ordner pyroom-n-n-n kann nun das Python script pyroom ausgeführt werden:

# python pyroom

Soll PyRoom für das ganze System installiert werden, muss als root Benutzer das Setup Script setup.py ausgeführt werden. nun lässt sich PyRoom – je nach Distribution – auch via Menu oder Desktop Icon starten. Der Verfasser wünscht viel Freude beim ungestörten Texten :-)

Ein Gedanke zu „Linux Tool der Woche: PyRoom

  1. Marco

    Sieht ja aus wie ein Textverarbeitungs-System vor 20 Jahren :-)
    Aber Old-School Look and Feel rockt hald schon :-D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.