Klingendes Tal

Kirche Huttwil

Zum Abschluss der 900 Jahr Feier der Kirche Huttwil liess sich Pfarrer Simon Jenny etwas Besonderes einfallen. Als ausgebildeter Musiker und begeisterter Alphornbläser komponierte er eine mehrteilige Alphornmelodie*, die auf den Hügeln rund um das Dorf Huttwil in der Abenddämmerung des 30. August zu hören sein sollte. Huttwil, wie eine Talgemeinde in einer Vertiefung zwischen Emmentaler Bergen gelegen, war für dies Vorhaben bestens geeignet. Frühzeitig wurde das aussergewöhliche Alphornerlebnis bekannt gemacht und Alphornbläserinnen und -bläser in der ganzen Schweiz angeworben. Und die Vertreter dieses urchigen Instrumentes machten begeistert mit, mehr als 50 Bläser aus vier Verbandsgebieten der Schweiz fanden sich am späten Nachmittag des 30. August auf dem Sportplatz Huttwil ein.

Simon Jenny im Gespräch mit Walter Hodel

Dort wurden die Ankommenden von Simon Jenny begrüsst und sofort nach dem Erscheinen auf dem Platz in insgesamt zehn verschiedene Gruppen aufgeteilt. Über ein ganzes Fusballfeld verteilt wurde darauf jeder Gruppe ein Teil der Melodie zugewiesen und die Abfolge der Vorträge festgelegt. Simon Jenny erklärte seinen Plan: Jeder Gruppe wird ein eigener Platz auf den rund um Huttwil gelegenen Hügel zugewiesen. Alle Plätze sind so ausgewählt, dass die Alphornklänge im Dorf noch gut zu hören sind. Und damit die Menschen im Dorf auch wissen, wo die einzelnen Gruppen postiert sind, wird an jedem Alphornplatz beim Vernachten ein Höhenfeuer angezündet. Genau um halb neun beginnt dann die Vorstellung. Von jeweils gegenüberliegenden Anhöhen über dem Dorf spielt abwechslungsweise jede Gruppe vier bis sechs Takte aus Jennys Komposition, die an diesem Abend überhaupt erstmals zu hören sein wird.

Simon Jenny - Klingendes Tal

«Dert müesst Dir häre!»

Das also war der Plan. Aber wird es auch klappen? Bei der gemeinsamen Probe gab es noch verschiedene Unklarheiten und Unsicherheiten. Wer genau spielt nun welchen Teil der Komposition? Welche Teile wiederholen sich? Und was machen wir, wenn es nicht mehr weitergehen sollte? Simon Jenny verstand es, die kurze Zeit zum Einstudieren der Aufführung optimal zu nutzen und den Ablauf so einzustudieren, dass sich alle Teilnehmenden nach etwas mehr als zwei Stunden Üben mit einem guten Gefühl zu ihrem Platz begaben.

Um 20.20 war es dann soweit. An allen Posten wurden die vorbereiteten Feuer entzündet, so dass in der Abenddämmerung rund um Huttwil Lichtpunkte auf den Hügeln zu sehen waren. Es konnte losgehen. Für uns Bläser war es in den folgenden Minuten ein besonderer Moment und wir fühlten die feierliche Stimmung, die in den Minuten lagen, als von den gegenüberliegenden Hügeln die ersten Alphornklängen zu hören waren: eine wunderbare, langsame und tragende Melodie war zu hören, um schon im nächsten Moment wieder zu verhallen. Dann wurde der Gruss von der diesseitigen
Anhöhe erwiedert. Dann – nach einer kurzen Pause – waren weitere Klänge von der Gegenseite des Berges zu hören. Wir horchten aufmerksam, liessen uns von diesem besonderen Erlebnis inspirieren, gaben Acht darauf, ja nicht unseren Einsatz zu verpassen…

Abendstimmung in Huttwil

Und dann? Es hat alles geklappt. Es war grossartig! Einmal wurde die Komposition von Simon Jenny durchgespielt, genau so wie geplant. Anschliessend waren verschiedene bekannte Werke wie die Bänklialp oder das «Heilig» zu hören. Und darauf wurde das ganze auf dem Brunnenplatz im Dorf wiederholt. Eindrücklich und mächtig klang es, als als 50 Hörner gemeinsam den Schlussteil von Jennys Kompisition spielten. Die inzwischen zahlreichen Zuhörer applaudierten herzlich und bekamen als Zugabe verschiedene Melodien aus dem Repertoir zu hören.

Zuletzt trafen sich alle Akteure zu einem Apero im Kirchgemeindehaus. Die Freude über das gelungene Alphornerlebnis war allen anzusehen. Bei Brot, Köse und Wein klang der schöne Abend aus und als die Alphornbläser sich auf den Heimweg machten, hatten gewiss alle viele schöne Erlebnisse und Eindrücke im Gepäck, die ihnen noch lange Freude machen werden. Zum Schluss möchte ich Danke sagen: Simon Jenny für die wunderbare Idee, sowie deren Realisierung und der Kirchgemeinde Huttwil, die dies alles erst möglich gemacht hat.

» Fotos von Verena Mathys


* Eine dem Auftakt nachempfundene Melodie gibt es auf swissinfo zu hören..

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