Bibel im Gespräch

Dieser Tage erscheint eine neue Übersetzung der Zürcher Bibel. Die Sendung «Blickpunkt Religion» des Kultursenders DRS2 nahm dies zum Anlass, eine Sendung über die Bibel zu gestalten. Ernüchtert wird darin festgestellt, dass das Wissen über die Bibel schwindet. Und dies obwohl zum Thema Bibel ein reiches, auch multimediales Angebot existiert. Und viele Informationen zur Bibel, sowie Online-Ausgaben verschiedener Übersetzungen, sind auch im Internet zu finden. Das Angebot wird auch rege genutzt, aber: Ist die Bibel einmal gekauft, landet sie oft ungenutzt im Schrank.
Auch die Gratiszeitung «20 Minuten» widmet dem Wissen über die Bibel einen Artikel, in dem über die Ergebnisse einer von gfs Zürich durchgeführten Umfrage berichtet wird. Die Statistiker kommen zum Schluss, dass die Schweizer nur wenig Ahnung von der Bibel haben und sich eher an den erfolgreich verfilmten Roman «The Da Vinci Code» erinnern als an den tatsächlichen Inhalt der Bibel. Ein Beispiel: 37% der Schweizer halten laut der Umfrage Maria Magdalena für die Frau Jesu. Eine Fehler, der vom Roman-Autor Dan Brown in die Welt gesetzt worden ist.

Dass viele Bibeln im Bücherregal verstauben ist schade, denn die Lektüre des «Buches der Bücher» ist stets ein Gewinn; selbst dann, wenn nur wenige Minuten dafür bleiben. Die Bibel möchte – wie jedes andere Buch auch – gelesen werden. Und es sind keine Vorkenntnisse erforderlich, um die Bibel zu verstehen. Sie kann gelesen werden wie ein Roman, also von der ersten bis zur letzten Seite. Aber auch wie ein Nachschlagewerk: neuere Ausgaben sind mit Untertiteln versehen, so das der Leser beim Stöbern leicht einen Abschnitt finden kann, der ihn interessiert. Viele Bibeln haben zudem neben dem Inhaltsverzeichnis einen Index «Wo ist was», der Verweise auf bekannte biblische Geschichten enthält.

Wer fragt, wo er mit der Lektüre beginnen soll, wird oft – wegen seiner Kürze – auf das Markus-Evangelium verwiesen. Andere Ausgaben empfehlen das Johannes-Evangelium, weil es das Selbstverständnis von Jesus Christus besonders prägnant hervorhebt. Aber auch der Römerbrief bietet sich als Erstlektüre an, weil er alle zentralen Glaubenssätze des Christentums zusammenfasst.

Bleibt noch die Frage: welche Bibel, resp. Übersetzung soll es sein? Dies ist nicht nur eine Geschmacksfrage, da einige Ausgaben wie die Elberfelder Bibel zwar möglichst wortgetreu übersetzen und damit nahe am Grundtext bleiben. Diese Texttreue hat aber oft eine Einbusse der Leserlichkeit zur Folge. Beliebt ist die «Gute Nachricht» Bibel, da sie im heutigen Deutsch verfasst ist und dadurch vieles leichter verständlicher macht. Ein schöner Kompromiss zwischen Elberfelder und «Gute Nachricht» ist die Luther-Bibel. Sie ist die offizielle und empfohlene Bibel vieler evangelischer Kirchenverbände.
Abgeraten werden muss von der «Neue Welt» Bibel. Hier handelt es sich um eine manipulierte Überesetzung der Wachtturm-Gesellschaft («Zeugen Jehovas»). Bei der «Bibel in gerechter Sprache» scheiden sich die Geister, nicht nur weil diese Ausgabe ideologische Ziele verfolgt. Während die einen den Text wegen sprachlicher Hässlichkeiten und willkürlicher Veränderungen ablehnen, empfehlen andere diese Bibel für den persönlichen Gebrauch.

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