Am Bachrand

Von fern gesehen hatte der Ort nichts besonderes an sich; einige Laubbäume, umgeben von Ackerland und Weiden, eine steinerne Brücke und Feldwege, gesäumt von Sträuchern, wildem Gras und bunten Kornblumen, die in der Sommersonne leuchteten. Unter der Brücke hindurch floss ein Bach, dessen Bett an einigen Stellen noch naturbelassen war, so dass das Wasser während einer regenreichen Zeit über die Ufer treten konnrte. Das Bächlein wurde in Subingen von der Oesch abgezweigt. Von dort floss es durch das Ackerland des Dorfes, um zuletzt wieder in die Oesch zu münden. In alter Zeit wurden diese Gewässer angelegt, um die Felder zu bewässern und gewiss war es bei diesem Bach auch nicht anders. Im Norden waren die blauen Juraberge zu sehen, im Osten ragte der Kirchturm des Nachbardorfes Deitingen über die braunen Dächer der davor liegenden Bauernhäuser. Und im Süden erhoben sich die ersten sanften Hügel des Wasseramtes.

Ich weiss noch genau, wie gerne wir den Platz bei der Brücke an schönen Tagen aufsuchten. Es gab dort wunderbare Plätze zum spielen. Da der Bach im Sommer kaum über die Knöchel reichte, zogen wir die Schuhe aus und wateten durch das Wasser, so dass wir unter den Füssen den Sand, die Steine und das kühle Nass fühlen konnten. Natürlich wurde auch Wasser gespritzt oder Ausschau nach Fischen gehalten. Tatsächlich war hin und wieder eine Rötel zu sehen, aber die Tiere waren so flink, dass wir vergeblich versuchten, sie zu erwischen. Manchmal bastelten wir Schiffe aus Papier, die wir bachab gleiten liessen. Das Ziel dieses Spieles war es eigentlich, zu beobachten welches der weissen Papierschiffchen zuerst die Brücke erreichte und so dem Besitzer zum Gewinner machte. Meist fehlte uns aber die Geduld zum Warten, wir sammelten kleine Steine aus dem Bachbett und versuchten die gegnerische Flotte zu versenken! So machten wir das.

Wenn ich alleine an dem Ort vorbeikam, sass ich gerne an das grüne Ufer des Baches und liess die Stimmung dieses schönen Ortes auf mich wirken. Die Laubbäume spendeten Schatten, so dass es auch an heissen Sommertagen kühl und angenehm war. Die Luft war vermischt mit dem Geruch des Grases und der vielen, verschiedenen Wasserpflanzen im Bach. Stellenweise drang das Sonnenlicht durch das Blätterdach der Bäume und spiegelte sich auf dem Wasser. Die Wellen des Baches glitzerten und durch die Spiegelungen entstand ein heiteres, wunderschönes Lichterspiel, das begleitet wurde vom leisen murmeln und glucksen des gemächlichen Stromes. Im Bachbett waren auch Steine zu sehen, die ein Stück aus dem Wasser ragten und um die herum der Wasserlauf sich lustig und unregelmässig teilte.

Der Ort wirkte von aussen besehen ganz unscheinbar und unauffällig. Wer innehielt und einen Moment verweilte, dem offenbarte dieser Ort seinen ganzen Zauber. Und erzählte seine Geschichte: Habt ihr gesehen, was am Ufer zwischen den Bäumem alles wächst und blüht? Dort findet ihr Gänseblümchen und Klee, dort blau leuchtenden Günsel und schneeweisse Margeriten. Wo ihr hinblickt trefft ihr auf ein kleines Wunder. Seht all die Sträucher am Ufer, den Baum, dessen Wurzeln direkt in das Wasser hineinragen, die Steine im Bachbett, wie jeder eine andere Farbe hat und wie sie im Wasser glitzern, gewiss so schön wie ein kostbarer Kristall. Und seht doch, wie durch das Laub der Bäume der Himmel zu sehen ist. Strahlend blau am Tag, mit leuchtendem rot vermischt, wenn der Abend kommt. Im Gefährten des Abends, einem kühlen Wind, werden sich dann Bäume und Pflanzen wiegen. Und wenn es Nacht wird, der Erdkreis sich wendet, dann entschläft der Tag an diesem Ort in tiefer Stille und vollendeter Harmonie, um am kommenden Morgen in neuer Schönheit zu erwachen.

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