Opera M2: gewöhnungsbedürftig

Auf der Suche nach einem Nachfolger für PINE habe ich auch Opera’s Mailclient „M2“ ausprobiert. Dieser ist im freien Browser aus Norwegen fest integriert, es gibt jedoch auch eine Standalone Version. Wer das Programm ausprobieren will, sollte sich zuvor mit zwei grundlegenden Konzepten vertraut machen, am einfachsten durch die Lektüre des M2 Tutorials.

opera8-mail.jpg

Opera’s Mail Client

Zentrale Datenbank. M2 speichert alle Mails in einer zentralen Datenbank. Dies trifft auch dann zu, wenn mehrere POP3/IMAP Konti eröffnet werden: Alle von einem Server empfangenen Mail werden zentral gespeichert und sind über den View (siehe unten) „Incoming“ abrufbar. Ein weiterer View „Unread“ listet alle Mails, die noch nicht gelesen wurden.

Views statt Ordner. Herkömmliche Mail Clients wie Thunderbird oder Evolution speichern eingehende Mails in verschiedenen physikalischen Ordnern. Mit Filterregeln wird entschieden, welche Nachricht nach dem Empfang in welchem Ordner gespeichert wird. Dies entpricht dem üblichen Ordnungsprinzip, welches überall anzutreffen ist: Informationen werden aufgrund verschiedener Eigenschaften den dafür passenden Ablagen zugeordnet.

M2 verfolgt einen anderen Ansatz: Mails werden durch das Definieren von Filterregeln nicht in einem Ordner gespeichert, sondern mit einem „View“ angezeigt. Dies ermöglicht es, ein Mails nach dem Empfang in verschiedenen Views anzuzeigen, obwohl es physikalisch nur einmal gespeichert worden ist. Beispielsweise ist eine Nachricht nach dem Empfang in den Views „Unread“, „Mails from Tom“ und „Project X“ sichtbar. Durch das Setzen von Attributen kann das Filterverhalten weiter beeinflusst werden.

Das Prinzip von M2 ist erstaunlich flexibel und ermögliches es, Mails nach den verschiedensten Gesichtspunkten zu ordnen. Das Setzen verschiedener Attribute erlaubt zudem einen einfachen Workflow. Wer mit einer Flut an Mails fertig werden muss, kann von den Vorteilen des View-Prinzips mit zentraler Mail-Datenbank profitieren. Ein hohes Mass an Flexibilität birgt aber auch Probleme: M2 reagiert zum Beispiel oft nicht so, wie es gemeinhin erwartet wird. Beispiele: Ein gefilterters Mail wird nicht nur im dafür bestimmten View, sondern weiterhin auch im zentralen Posteingang angezeigt. Ebenso taucht auch ein gesendetes Mail plötzlich im Posteingang auf. Der Grund ist ohne Ausnahme in den Filtereigenschaften zu suchen.

Ich habe mit M2 eine Woche gearbeitet, konnte mich mit der Philosophie aber nicht anfreunden. Ich ziehe es vor, Mails in einzelnen Ordnern abzulegen, mit der Gewissheit, dass sie auch tatsächlich in diesem Ordner gespeichert sind und nur erscheinen, wenn ich diesen Ordner öffne. Zudem will ich verschiedene Konti strikte von einander getrennt haben, zum Beispiel private und geschäftliche Nachrichten.

Ein Gedanke zu „Opera M2: gewöhnungsbedürftig

  1. Roman Hanhart

    Die „Views“ von Mailclient M2 entsprechen den Labels von Gmail oder den Tags bei den Blogs. Ist eine interessante Philosophie, die das Ablegen vereinfachen kann (wenn man es richtig nutzt). Aber es ist gewöhnungsbedürftig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.