Google will auf den Desktop

Google ist weiterhin auf Einkaufstour und die Entwickler arbeiten fleissig an neuen Produkten. Diese Woche hat Google Writely gekauft und einen geschlossenen Betatest der Kalenderanwendung CL2 gestartet. Und was ist in den Monaten zuvor passiert? Einiges, es vergeht kaum ein Monat, an dem Google nicht mit neuen Produkten aufwartet. Diese Umtriebigkeit ist verständlich, denn im freien Markt kann ein Unternehmen auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn es sein Geschäftsfeld stetig ausweitet und erneuert. Google dominiert zurzeit die Suchtechnik im Internet und setzt alles daran, diesen Schwung zu nutzen, um sich auch in anderen Bereichen zu etablieren.

In welchen Bereichen? Nachdem die Kalifornier zahlreiche Internet-Anwendungen erfolgreich lanciert haben, richtet sich ihre Aufmerksamkeit auf einen Bereich, der seit bald 20 Jahren von einem Monopolisten beherrscht wird: Auf den Desktop. Auf nahezu 90% aller PC’s ist Windows installiert, die Benutzer arbeiten mit Microsoft Programmen wie MS Word oder MS Outlook und surfen mit dem MS Internet Explorer im Internet. So können die Redmonder fast nach Belieben schalten und walten und selber bestimmen, was die Benutzer mit ihrem PC tun können …oder eben auch nicht tun können.

Das schmeckt Google nicht. Denn dies birgt die Gefahr, dass Microsoft den Zugriff auf unliebsame Google-Anwendungen erschwert. Wer’s nicht glaubt, sei an die «DR-DOS Affäre» verwiesen. Microsoft ist stets dann am kreativsten, wenn es darum geht, einen Konkurrenten kalt zu stellen. Die Dominanz des Netscape Navigator wurde gebrochen, indem der wesentlich schlechtere, aber hauseigene Browser Internet Explorer zum «integralen Bestandteil des Betriebssystems» erklärt und fortan zusammen mit Windows ausgeliefert wurde.

Will Google auch in den kommenden Jahren erfolgreich sein, ist die Präsenz mit eigener Software auf den Endgeräten unumgänglich. Der Support von Mozilla Firefox, die Entwicklung von Google Desktop und Google Pack, sowie die Übernahme von Writely sind nur die ersten Massnahmen, mit denen Google gegen den Desktop-Goliath antritt. Weitere werden in Kürze folgen. Microsoft wird auch hier mitziehen und mit eigenen, browser-basierten Anwendungen reussieren. Was wir von den Redmondern zu sehen bekommen werden, sind aber kaum schlanke Ajax-Applikationen, sondern vielmehr die bestehenden, schwerfälligen und fehlerträchtigen Office-Programme, eingezwängt in eine neue ActiveX-Komponente.

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