Warum leuchten die Sterne?

Irgendwo im Emmental, auf halbem Weg zwischen Meierüti und Chacheliwil steht auf einer Anhöhe ein stattliches Bauerngut, umgeben von grünen blühenden Äckern, Tannenwäldern und schattigen Hügeln. Nur eine schmale Naturstrasse führt zu dem schönen Heimet und wer den Aufstieg geschafft hat, wird durch eine prächtige Aussicht belohnt. Die Berner Alpen sind zwar nicht zu sehen, dafür aber ein weites Tal, auf dessen Sonnseite einige weiter Höfe zu sehen sind, während sich auf der Schattseite des Tales Tannwälder, Weiden und Kornfelder abwechseln.

Ein Gang um den Hof lässt die vielen alten Geschichten aus Büchern, Kalendern und anderen „Brattigen“ bildhaft werden: Da ist die Stör mit dem grossen Garten davor, auf zwei Dachbalken ist die Jahrzahl eingraviert: 1786. Auf beiden Seiten des Hauses führen Treppen in den Gaden, der Ort also , an dem die Mägde und Knechte ihre meist ärmlichen Kammern hatten. Die alten Stiegen der Treppen sind stark abgenutzt, sie sind viele Jahre benutzt worden, wieviel Freud und Leid haben diese alten „Schwirren“ in all den Jahren wohl gesehen?

Anlässlich der letzten Probe vor dem Sommer waren wir eingeladen, an diesem schönen Ort zu üben und den Anwohnern ein Ständeli zu bringen. Das Wetter war mild und die Alphornklänge konnten sich von diesem Platz aus gut entfalten, sie erfüllten das Tal und wiederhallten von der gegenüberliegenden Anhöhe. „Es geit gar ring hie obe“, bestätigte auch unser Gruppenleiter. So spielten wir unser gesamtes Repertoir und während der kurzen Pause liessen es sich zwei Bläser nicht nehmen, die Zeit mit Soloeinlagen zu überbrücken.

Auch für die Kinder der Familie waren die Alphornbläser eine willkommene Abwechslung. Vergnügt spielten sie auf der Bsetzi, fuhren mit ihren Fahrrädern um das Haus und genossen sichtlich die Anwesenheit der Besucher. Als der Abend vorrückte und das Ständeli zu Ende ging, wurden wir grosszüig bewirtet, mit Hamme, Salat und frischer Züpfe. Als es zu dämmern begann, gingen die Kinder auf den Platz vor dem Haus und beobachteten den Himmel. „Wann sehen wir die Sterne?“, fragte das Jüngere die Mutter. „Dort ist schon einer zu sehen“, antwortete diese und zeigte den Kindern den Punkt am Himmel, an dem tatsächlich der erste Stern zu leuchten begann.

Die Kindern staunten, für sie war dies ein besonderes Ereignis, obwohl es sich jeden Tag wiederholt. Gespannt blickten Sie nach oben und versuchten, den nächsten Stern zu erspähen. als ich mich dazu gesellte, fragten sie mich: „Warum leuchten die Sterne?“. „Es sind Planeten, die das Licht der Sonne widerspiegeln“. „Sind Planeten rund?“. „Ja, sie sind rund, wie unsere Erde.“

Es war bereits Nacht, als ich mich über die Lueg auf den Heimweg machte. Die Fragen der Kinder beschäftigten mich. Kinder sind nicht nur neugierig, sie haben auch die Fähigkeit, zu staunen, über die einfachsten Dinge, wie der Blüte eines Löwenzahn, oder über einen Stein am Wegrand, in dessen Form sie sofort ein Bild erkennen. Eigentlich ist es schade, das wir diese Fähigkeit verlieren, wenn wir älter werden. …Oder tun wir das etwa gar nicht?

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