Ein Langnauer Töpferei stellt den Betrieb ein

Langnau im Emmental hat eine reiche und vielseitige Töpfereigeschichte. Schon im 17. Jahrhundert wurden im malerischen Dorf an der Ilfis Töpferwaren hergestellt, Langnau ist der wichtigste Töpfereistandort im Kanton Bern, wenn es um Irdenware geht. Die in dunkelgelb oder schwarz gehaltenen Teller, Schüsseln und «Chacheli» erfreuen das Auge mit leuchtenden Blumenornamenten, die in rot, grün und gelb gehalten sind. Manche Stücke sind auch mit Figuren und Sprüchen verziert, zum Beispiel mit diesem hier: «Dornen stächen, Nesel brennen, wär will alle Hurenbuben kennen». Und wer im Emmental zur Visite eingeladen wird, kann möglicherweise die Kleinode auf dem Tisch bewundern, wenn Kaffee mit Merängge und Nidle aufgetischt wird.

Langnauer Keramik - ZuckerdoseEine Zuckerdose aus der Töpferei Herrmann

Grillpartys statt Porzellan
In den den Achtziger Jahren erlebte die Langnauer Keramik in der Region noch einmal eine Blüte, mehrere Töpfereien entstanden, das Töpfer- und Keramikkunsthandwerk war wieder gefragt. Doch dann ging die Nachfrage Jahr um Jahr stetig zurück. Insbesondere bei jungen Menschen fand ein Mentalitätswandel statt. Kostbares Geschirr aus handgemachter Keramik oder aus Porzellan war «out». Im Trend sind heute Grillparties, bei denen zuweilen aus Kartontellern gegessen und aus Plastikbechern getrunken wird. Einfaches, praktisches Geschirr liegt im Trend, zumal dieses geschirrspülerfest ist und problemlos ersetzt werden kann. So erstaunt es kaum, dass eine junge Familie unlängst erklärte, dass das «Grosi-Gschirr» nur noch dann auf den Tisch kommt, wenn sich die Grossmutter zum Besuch angemeldet hat!

Irgendwann kommt wieder eine Blütezeit
Dass per Ende März eine weitere Töpferei in Langnau den Betrieb einstellt, erstaunt bei dieser ungünstigen Entwicklung nicht mehr. Der Besitzer sah diesen Moment schon lange kommen, denn wegen mangelnder Nachfrage sei es immer schwieriger geworden, zu einem realistischen Preis zu produzieren. Der Traditionsunternehmer ist aber zuversichtlich, dass irgendwann wieder eine Zeit kommen wird, wo hochwertiges und handgefertigtes Geschirr gefragt sein wird.

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