Uf däm Bild si alti Chrippefigure z’gseh, e Hirt, zwe Chünige, d Maria u ds Jesusching i der Chrüpfe. Es si die erschte Chrippefigure won-i i mim junge Läbe ha dörfe gseh, öppe im Jahr 1967. U leider fähle hüt der Joseph u ei Chünig, beidi si i all dene Jahr irgendeinisch verlore gange. Scho mängisch si die Figure unger em Wiehnachtgsböimli gstange, langsam bletteret d Farb ab u der Gips vo dene schlichte Figure verbrösmelet.
Aber wüsst Dir was? O wenn die Figure nümme so schön usgseh wie vor vilne Jahre, so hei si doch öppis wichtigs z’säge, öppis wo nie verblasst: Die heilig Nacht, Maria und Joseph im Stall, der Stärn vo Betlehem, all das Wunderbare u Schöne vo der Wiehnacht blibt! Ganz glych, wie mängs Jahr vergeit. Wiehnachte verblasst nid u bletteret nid ab, ds Liecht vom Wiehnachtsstärn schynt jedes Jahr häll u klar. Sit meh als 2000 Jahr.
Das tüecht mi öppis vom Schönste, wo Hoffnig git, a jedem Tag i Jahr. We d Tage ganz churz wärde, de erhällt ds Liecht vor Wiehnachte die feischteri Zyt. Mit der Geburt im eifache Schafstall het Jesus es Liecht azündet, wo lüchtet, für jede Mönsch. U nüt u niemer chas usblase, es lüchtet witer, ganz glich, was passiert. Jesus sälber isch ds Liecht i üsere mängisch dunkle Wält, är het d Türe zum Himmel für üs wyt ufgmacht. U ds himmlische Liecht strahlt dank Jesus i üses Läbe.
Drum, liebi Läserin u liebe Läser, zündt itz es Liechtli a u fröi di, dass es wider Wiehnachte worde isch.
Keine Ahnung, wo sie all die Jahre abgestellt wurde, oder wo sie überhaupt herkommt. Auf jeden Fall war die Haspel stark verstaubt, als sie uns als Geschenk angeboten wurde. Beim bisherigen Besitzer stand sie ungenutzt irgendwo auf dem Dachboden. Nach einer gründlichen Reinungung zeigte es sich, dass die möglicherweise 200 Jahre Wollhaspel noch einwandfrei funktioniert. Die auf einem Gestell stehende und abnehmbare Kreuzhaspel wird aufgeklappt und dann dann das Garn von einer Spule am Spinnrad aufgewickelt. Gedreht wird die Haspel mit einer Kurbel:
Natürlich kann das gute alte Stück mit einer Besonderheit aufwarten: Sie hat ein Zählwerk! Mit einer Zahnradübersetzung werden die Umdrehungen der Haspel gemessen und auf einer Skala angezeigt. Leider fehlt der Zeiger und die hölzerrnen Zahnräder sind an mehreren Stellen schadhaft, das Zählwerk funktioniert als nicht mehr! Die Haspel konnte also nicht zum Umwickeln des Garns genutzt werden, sie war aich ein Messgerät für die Garnmenge.
Die Anzeige des Zählwerks
Ein Hinweis, wo die Haspel einst gestanden haben mag, findet sich in einer Gothelferzählung: Dursli der Branntweinsäufer oder Der heilige Weihnachtsabend. Da Dursli ein Lotterleben führt, muss seine Frau Bäbeli nachts spinnen, um etwas Geld für sich und ihre Kinder zu verdienen. Am Morgen schickt sie ihre älteste Tochter zum Garnhändler, um das Garn zu verkaufen. Vielleicht wog der Händler die Wolle, um die Menge zu bestimmen. Oder aber, er verwendete eine Wollhaspel mit Zählwerk, so wie dieses Exemplar.
Vielen Dank an J. für dieses praktische Werkzeug. Ich verwende die Haspel regelmässig und habe sie schätzen gelernt.
Ist Dir das auch schon aufgefallen? Du suchst auf Google – irgendetwas – und wenn das Ergebnis angezeigt wird, tippst Du eine Taste an – irgendeine. Ganz unten auf der Seite des Suchgiganten wird dann ein kleiner Hinweis eingeblendet, der nach wenigen Sekunden auch schon wieder verschwindet:
Drücke /, um direkt zum Suchfeld zu gelangen
Gesehen? Eigentlich ist das ganz hilfreich, die /-Taste setzt den Cursor wieder in das Eingabefeld, so das ein neuer Suchbegriff eingegeben werden kann. Aber warum wurde für dieses praktische Gimmick ausgerechnet die /-Taste (auch Slashkey) auserkoren? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir eine Zeitreise in das Jahr 1978 machen, nach Massachusetts in Nordamerika. Zum Firmensitz von VisiCorp. Dort werkelte Dan Bricklin für dieses Unternehmen an einer für die damalige Zeit revolutionären Sofware: VisiCalc! VisiCalc war nichts weniger als die erste Tabellenkalkukation. Erstmals war es möglich, auf einem Homecomputer (dem Apple II, um genau zu sein) Zahlen tabellarisch darzustellen. Und, das war das absolut neue, es konnten auch Formeln erstellt werden, die mit jeder Aenderung alles automatisch neu durchrechneten.
Und natürlich hatte VisiCalc auch ein Menu, mit dem die verschiedenen Funktionen abgerufen werden konnten. Überhaupt, wer damals nicht mit einer sauberen Menuführung aufwarten konnte, war schnell weg vom Fenster! Um zum Menu zu gelangen, musste man, Du errätst es, die Slash-Taste drücken. Aber warum gerade diese? Ganz einfach, auf einer US-Tastatur ist sie sehr einfach zu erreichen, ohne Shift oder Control oder Alt. Ganz einfach eben! Und auch noch direkt neben der Enter-Taste. Auf europäischen Tastaturen liegt die Slash-Taste natürlich ganz woanders. Da haben wir Nicht-Amis eben Pech gehabt.
Und selbstverständlich drehte sich Geschichte weiter. Bald nach VisiCalc kam Lotus 1-2-3 für den PC, abermals eine Tabellenkalkulation. Lotus 1-2-3 war das, was wir eine Killer-App nennen, sie verdrängte die Konkurrenz und verhalf IBM’s PC zu einem Welterfolg! Nun wurde beim Kauf eines PC nur noch gefragt, ob Lotus 1-2-3 darauf läuft. Nein? Vergessen Sie es!
Warum war Lotus 1-2-3 so erfolgreich? Es bot eine Myriade an neuen Funktionen und, was eine bahnbrechende Neuerung war, grafische Auswertungen! Also gefällige Kuchen-, Linien- und Balkendiagramme, die Zahlenwüsten visualisieren konnten! Alles in Farbe. Dazu Datenbankfunktionen, Hilfestellungen und einiges mehr. Zudem war Lotus 1-2-3 grösstenteils in Assembler programmiert, es war auch bei komplexen Berechnungen pfeilschnell.
Natürlich versuchten andere Spreadsheets sich im Glanz von 1-2-3 zu sonnen und imitierten das Programm. Und damit auch die Slash-Taste! Geholfen hats indes nicht viel, Lotus 1-2-3 blieb 20 Jahre lang das Mass aller Dinge, wenn es um Tabellenkalkulation ging. Erst Excel überholte dann den Primus, über die Gründe wird bis heute gestritten. Excel war eben schneller bereit für Windows, Lotus investierte in eine OS/2 Version, die zum Flop geriet! Und als Lotus 1-2-3 für Windows bereit war, war es halt zu spät. Geblieben ist die Slash-Taste, die kann noch heute in Excel oder LibreOffice Calc verwendet werden. Und, eben, auf Googles Startseite.
Wohi spinnt sich der Glücksfade vo dim Läbe? Heb der Fade guet i der Hand, vertrou druf, dass är schön u fescht wird. U lue, wie ds Redli sich dräiht, jede Spross isch einisch ganz obe, geit de z derab und chunt doch wider ueche. Präzis eso isch es mit em Glück im Läbe; grad denn wenn meinsch, es geit furt vo Dir, so chunts vore angere Syte här zu Dir zrügg.
COOP, die Post, Singapore Air und viele andere haben eines gemeinsam: Sie haben das Schweizer Alphorn als Werbesujet entdeckt. Warum eigentlich? Weil es für Tradition, Beständigkeit und Schweizer Werte steht? …Oder für eine solide Geldanlage so wie aktuell beim Investmenthaus Vontobel? Für eines steht das Alphorn auf jeden Fall: Für etwas Gutes und Schönes. Wir verbinden das Hirtenhorn mit einer Alpenlandschaft, mit einer intakten Umwelt und mit Harmonie: Bei einer schöne Melodie und der Verbundeheit zwischen Mensch und Natur.
Garne spinnen? Das gibts schon lange! Sicher seit 8000 Jahren! Die ältesten Funde von Wirteln aus Knochen oder Stein stammen jedenfalls aus dem 6. Jahrtausend vor Christus. Aber es ist gut möglich, dass Menschen schon vor 10’000 Jahren mit einfachen Mitteln aus Fasern Garne gedreht haben! Und sie taten das mit einer simplen Hanspindel, auch Spinnstock genannt. Das Spinnrad taucht erst viel später auf, gebräuchlich wird es ab dem späten Mittelalter.
Versetzen wir uns also einen Moment in die Vergangenheit, nehmen eine Spindel und etwas Schafwolle zur Hand. Schwierig kann es ja nicht sein, oder? Die Spindel ist ja denkbar einfach aufgebaut, ein Schaft, an dem ein Wirtel befestigt wird, an einem Ende des Schafts zudem einen Haken (empfohlen) oder eine Kerbe, um den Faden festzuhalten. Und nun kann ein Zipfel des Vlieses am Hilfsfaden befestigt werden, die Spindel wird in Bewegung gesetzt und…
Etwas Übung braucht es eben schon. Die Kunst besteht darin, die Spindel gleichmässig am Drehen zu halten, während gleichzeitig Fasern ausgezogen und verdreht werden. So kommen Drall und damit Festigkeit in den Faden. Und es wird zu Beginn immer wieder passieren, dass die Spindel zu Boden fällt, der Drall in das Vlies gelangt, der Faden reist oder sonst ein kleines Missgeschick passiert. Wer sich nicht entmutigen lässt, hat aber schon bald den Dreh raus…
Nun ist es schon viele Jahre her, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir im Männerchor E. das Stifeli spontan augeführt haben; vielleicht während eines Ausfluges, bei einem Gastauftritt oder einfach zum Spass, wenn wir zusammensassen und einen schönen Sommerabend in der Waldhütte genossen. Im Internet ist der Text des „Stifeli“ hier und dort zu finden, unterscheidet sich aber von dem, was wir im Liedtext hatten. Deshalb folgt hier unsere Version:
Personen: Dirigent oder Dirigentin, Chor. Ort: irgendwo im schönen Schweizerland.
Dirigent (der Präsident und Dirigent des Männerchor Guttannen in einer Person ist): Gschetzti Männerchorkamerade, wie dir aui scho wüsst, het der Vorstand i verdankenswärter Wiis beschlosse, dass mit am 17. eidgenössische Steistoss-, Schwing- u Älperfescht z La Chaux de Fonds mit eim Wettlied aträtte. Ds Lied isch o scho bekannt, es isch ds Stifeli wo dir ja aui scho chöit! Drum wei mirs jetzt grad einisch probiere!
Dirigent stimmt an und alle singen (zu der bekannten Melodie):
Stifeli mues stärbe, s‘ isch ja no so jung, jung, jung Stifeli mues stärbe, s‘ isch ja no so jung. WENN das der Abwart wüsst, dass das Stifeli stärbe mues. Stifeli mues stärbe, s‘ isch ja no so jung.
Dirigent: Gschetzti Manne von Guettanne, es isch guet, wie Dirs gmacht heit. Aber wenn mir am 17. eidgenössische Steistoss-, Schwing- u Älperfescht z La Chaux de Fonds der erscht Priis UND ds Märitbabeli wei heibringe, de müesst Dir das Lied no viil lisliger singe, nume ds WENN, das mues lut, chäch u dütlich cho. Mir probiere’s grad no einisch.
Dirigent stimmt an und alle singen: Stifeli mues stärbe… (wie vom Dirigenten verlangt)
Dirigent (nun lauter und emotionaler): Manne vo Guettanne, mit Scheiche wie Eiche, mit Haar dran wie Velospeiche, mit Häuser wie Munigurgle und Ohre wie Zäutplache: Wenn Dir am eidgenössische Steistoss-, Schwing- u Älperfescht z La Chaux de Fonds der erscht Priis UND ds Märitbabeli weit heibringe, de mues das Lied no viu lisliger, ds WENN no viu lüter wärde, mir maches no einisch:
Dirigent stimmt an und alle singen: Stifeli mues stärbe… (wie vom Dirigenten verlangt)
Dirigent (noch bestimmter zuvor): Manne vo Guettanne, mit Scheiche wie Eiche, mit Haar dran wie Velospeiche, mit Häuser wie Munigurgle und Ohre wie Zäutplache: Wenn Dir am eidgenössische Steistoss-, Schwing- u Älperfescht z La Chaux de Fonds der erscht Priis UND ds Märitbabeli weit heibringe, de mues das Lied no viu, viu lisliger, ds WENN no viu, viu lüter wärde, mir maches no einisch:
Dirigent stimmt an und alle singen: Stifeli mues stärbe… (wie vom Dirigenten verlangt)
Dirigent: Itz isch es guet, Manne! So gwinne mir der erscht Priis UND ds Märitbabeli!
Am vergangenen Samstag fand in Zürich die alljährliche Streetparade statt. Begleitet von ohrenbetäubendem Lärm quälten sich Tausende dichtgedrängt bei 33 Grad Hitze durch die vermüllte Innenstadt. Viel entspannter zu und her ging es zur gleiche Zeit in Lyssach bei der Jodlerwanderung. 1400 Freunde der Volksmusik (Besucherrekord) erfreuten sich einen ganzen Tag lang am Jodellied, an der Natur und am fröhlichen Beisammensein.
Eines der Wandertaxis – natürlich ein Einachser!
Die Jodlerwanderung ist ein durch und durch geselliger Anlass. Die Besucher begeben sich ab 10 Uhr gestaffelt auf die rund fünf Kilometer lange Wanderung durch die reizvolle Lyssacher Landschaft. Der Weg führt über Felder und durch das Dorf, durch einen Wald und an mehreren Bauernhöfen vorbei. Fast durchgehend flach kann sie auch von ungeübten Wanderern und mit Turnschuhen bewältigt werden. Und wer dennoch müde wird, wartet auf eines der Wandertaxis, auf unserem Photo ist eines zu sehen.
Auf der Route erwarten den Wanderer fünf Festwirtschaften mit verschiedenen kulinarischen Angeboten aus der Schweiz. Und natürlich erfrischenden Getränke, Glace und einiges mehr. Da die Festwirtschaften von Jodlerklubs geleitet werden, steht das Jodellied im Zentrum. Ein fröhlicher Jutz, ein schönes Lied und Alphornklänge sind auf der Route immer wieder zu hören.
Auch wenn der Garnbedarf für ein Projekt noch so genau berechnet wird, es bleiben immer Reste! Und so füllt sich mit der Zeit der Korb mit den nicht verarbeiteten Garn. Was machen wir damit? Wegwerfen verbietet sich von selbst und als Füllmaterial für ein Kissen ist es auch zu schade, dorthin gelangen eh schon die wenigen Schnittreste ohne die es auch beim Webrahmen leider nicht geht. Die Lösung ist ganz einfach: Schon aus wenigen Metern Restgarn kann ein hübscher und praktischer Schlüsselanhänger gewoben werden, hier ist ein Beispiel:
Der Schlüsselanhänger ist etwa 35 cm lang und zum Weben werden ca. zwei Stunden Arbeitszeit benötigt. Am einen Ende wird eine Schlaufe genäht und ein 5cm Schnappkarabiner für die Schlüssel befestigt. Das andere Ende kann je nach Geschmack ebenfalls eingenäht oder mit Kordeln versehen werden. Wer seine Schlüssel an diesem Anhänger festmacht, reduziert einen Schlüsselverlust drastisch…
Was benötigt wird: Webrahmen mit einem 30/10 Gatterkamm (30 Fäden pro 10 Zentimerer) Bunter Karabinerhaken, 5 bis 6 Zentimeter breit Garn: Alles, was der Restekorb hergibt! Länge: 30-40 Zentimeter Breite: 14 Durchgänge im Gatterkamm
Wichtige Hinweise: Die Fäden der Kette nach dem Abnehmen vom Rahmen entweder gut verknoten oder mit der Nähmaschine versäubern. Der Anhänger soll ja robust sein und nicht schon nach kurzer Zeit auseinanderfallen! Ebenso muss die Schlaufe mit dem Karabiner solide genäht werden. Zum Schluss werden die Schlüssel mit einem Schlüsselring am Karabinerhaken befestigt.
Seit ältester Zeit blicken die Menschen zum Himmel empor, fasziniert vom Lauf der Gestirne und vom Sternenlicht in der Nacht. Sie beobachteten im ersten Tageslicht die aufgehende Sonne und dann ihren Lauf am Himmel. Bis sie im Westen in einem geheimnissvollen, rot leuchtenden Lichtzauber wieder unterging. Und natürlich begannen die Menschen, irgendwann vor vielleicht 5000 Jahren, die Zeit einzuteilen, in der die Sonne zu sehen war. In der Antike wurde die Zeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang in zwölf Stunden eingeteilt. Das hatte zur Folge, dass im Winter die Stunden kürzer waren als im Sommer. Ein schönes Beispiel, wie die Zeit angegeben wurde, finden wir in der Apostelgeschichte: Als Petrus vorgeworfen wurde, er sei betrunken, antwortete er, schlagfertig wie er nun mal war: «Ich bin nicht betrunken, es ist ja erst die dritte Stunde!» Also neun Uhr Morgens (Apg 2,15)!
Wie aber wurde die Zeit gemessen? Natürlich mit Sonnenuhren, die es schon um 1300 vor Christus nachweislich in Ägypten gegeben hat! Ja, die Zeit wurde auch mit Wasseruhren oder brennenden Kerzen ermittelt. Ihnen gegenüber hatte die Sonnenuhr aber einige Vorteile, allen vor an die einfache Bauart! In der Pfadi haben wir gelernt, dass es genügt, einen Gnomon, also einen geraden Stock senkrecht in den Boden zu stecken. Der Schatten, den der Stock auf den Boden wirft, kann zum Bestimmen der Tageszeit verwendet werden. Nun wird jede Stunde die Stelle des Schattens markiert, so dass am nächsten Tag die Tageszeit recht genau bestimmt werden kann. Natürlich muss die Uhr nach ca. 10 Tagen nachjustiert werden! Diese simple Sonnenuhr gibt zudem auch einen Hinweis auf die Jahreszeit: Im Hochsommer ist der Schatten um die Mittagszeit nur wenige Zentimeter lang, gegen Herbst zu wird er immer länger.
Einfacher und schneller Zeitmesser: Der Bauernring
Eine praktische Sonnenuhr ist ist seit Jahrhunderten der schlichte Bauernring; die erste von zwei Taschensonnenuhren, die hier vorgestellt werden sollen. Der Sonnenring, wie er auch genannt wird, dürfte schon im Spätmittelalter verbreitet gewesen sein. Der Messingring hat einen Durchmesser von nur etwa zwei Zentimetern, so dass er bequem als Anhänger getragen werden kann. Einstellung kennt der Bauernring nur eine einzige: Das Loch, das das Sonnenlicht einfängt, muss mit einem kleinen Griff auf den aktuellen Monat justiert werden. Nun läst man den Ring an der Schnur baumeln und richtet das Loch gegen die Sonne aus. Und schon zeigt ein deutlich erkennbarer Lichtpunkt auf der Inennseite des Rings die Zeit an. Hier auf dem Bild ist es gerade acht Uhr, der Lichtpunkt ist auf der Skale unten links gut zu erkennen.
Hat die einfache Bedienung auch einen Preis? Ja, den hat sie! Der Bauernring zählt sicherlich nicht zu den präzisesten Sonnenuhren, denn der Breitengrad, also der Ort, an dem gemessen wird, kann nicht eingestellt werden. Er ist auf einen gegebenen Punkt geeicht! Aber: Mit etwas Übung und Gefühl für die Zeitskala ist es durchaus möglich, die Zeit auf 10-15 Minuten genau zu messen. Und das reicht in den meisten Fällen. Auch heute noch, in einer immer schneller getakteten Gesellschaft, wo die Zeit meist auf dem Smartphone abgelesen wird.
Genau hier liegt der Reiz dieser kleinen und praktischen Sonnenuhr: Sie führt weg von unserer Zeit, zurück, irgendwo in das 15. Jahrhundert. An Rathäusern und Kirchen waren bereits mechanische Uhren zu sehen und die Zeit wurde nun in 24 gleich langen Stunden gemessen. Dennoch hatten die Menschen ein anderes Zeitgefühl als wir, der harmonische Gang der Natur prägte die Menschen des Mittelalters; ihr Tagesablauf war weniger durchgetaktet als unserer. So vermittelt der Bauernring auch ein kleines Stück Lebensgefühl des Mittelalters – und weckt das Interesse auf den Gang der Gestirne.
Präziser, aber komplizierter: Die Kala Taschensonnenuhr
Die Kala Taschensonnenuhr ist ein kleines Schmuckstück! Mit den zwei zur Armillarsphäre angeordneten Ringen wirkt sie äusserst dekorativ! Sie hat einen äusseren Durchmesser von sechs Zentimetern und kann sehr einfach ein- und ausgeklappt werden. So kann sie wie der Bauernring problemlos überall hin mitgenommen werden, als Anhänger oder einfach in der Hostentasche. Im Gegensatz zum Bauernring liefert sie die Zeit deutlich präziser, mit etwas Übung lässt sich die Tageszeit auf wenige Minuten genau bestimmen. Und Übung ist jetzt genau das Stichwort! Zu Beginn muss am äusseren Ring der Breitengrad der aktuellen Region eingestellt werden, für Bern wäre dies 46.5 Grad. Anschliessend will die Sonnenuhr auf der Brücke den aktuellen Montag wissen. Und zwar möglichst genau: Beginn, Mitte oder Ende! Und nun kann es losgehen, der innere Ring wird um 90 Grad ausgeklappt und die Uhr gegen die Sinne gehalten. Und nun sieht man…
…nichts! Ganz so einfach geht es leider nicht, die höhere Präzision der Kala Taschensonnenuhr muss mit etwas mehr Komplexität bei der Bedienung erkauft werden. Je nach Tageszeit muss die Brücke mehr oder weniger gekippt werden. Und am Nachmittag muss das Sonnenlicht auf die gegenüber liegende Seite des Innenrings gerichtet werden. Das alles braucht Übung und eine Portion Feingefühl. Zum Glück gibt es ein sehr gut gemachtes Video von David Rogol. Er zeigt genau und verständlich, wie die Uhr eingestellt und ausgerichtet werden muss.
Die Kala Taschensonnenuhr ist ein faszinierendes Messgerät, keine Frage! Aber einfach mal kurz die Zeit bestimmen geht nur mit viel Übung. Deshalb bleibt mein Favorit der bescheidene Bauernring. Dass er weniger präzise ist, klingt nur im ersten Moment nach einem Makel. Im englischen wird der Bauernring auch Shepherds ring genannt, ein weiterer Beleg für die bäuerliche Herkunft dieses kleinen Zeitmessers. Was spielt es da für eine Rolle, ob man 15 Minuten früher oder später ankommt? Man hat Zeit und nimmt sich Zeit.