Der Wert des Tagebuches

Haben Sie in Ihrer Kindheit oder Jugend auch ein Tagebuch geschenkt bekommen? Vielleicht sogar vom Götti oder von der Gotte? Ich jedenfalls erhielt eines von meinem Paten! Und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es aussah: Ein hübscher, bunter Einband, eine Lasche und sogar ein kleines Schloss, damit man das Tagebuch vor fremden Blicken schützen konnte! Es gibt diese schönen Tagebücher noch heute in der Papeterie. Aber eigentlich war mein Verhältnis zum Tagebuch damals eher etwas angespannt, zumal ich spielen im Freien viel anregender fand! Und wegen knapp ungenügender Schulnoten setzte es sogar eine Strafarbeit: Während den Ferien Tagebuch führen! Das war der leichtere Teil der Aufgabe. Der Schwierigere bestand darin, nach den Ferien am Esstisch aus dem Tagebuch vorzulesen. Auch dies habe ich irgendwie bewältigt.

Tagebücher

In der Berufsschule hatte ich einen Lehrer, der uns immer wieder anregte, ein Tagebuch zu führen, und zwar so: «Jungs, ihr seid nicht wie Chüngeli, die gemütlich auf einer Wiese sitzen und die Zeit mit wiederkäuen verbringen. Mit dem Tagebuch könnt ihr Euch selbst Rechenschaft darüber geben, was ihr tut. So, und nun zu den Noten der letzten Prüfung…» Der gute Herr L. hatte recht!

Kommen wir noch einmal zurück zu den bunten Kinder- und Jugendtagebüchern. Leider bleiben viele von ihnen leer und das ist schade! Denn eine leere Seite bedeutet immer, dass eine Geschichte, ein Erlebnis oder ein Gedanke nicht aufgeschrieben worden sind. Etwas aufschreiben bedeutet, es noch einmal erleben, schöne Erlebnisse aufschreiben tut gut! Und die weniger schönen? Sie können mit der Reflexion im Tagebuch besser verarbeitet werden. Und dann – ganz wichtig – wird eine neue Seite aufgeschlagen. Ein nordamerikanischer Indianer gab den folgenden Rat: Denke am Ende eines Tages über alles nach, was du erlebt hast. Schliesse mit guten Gedanken die Augen und erwarte mit Dankbarkeit und Freude den nächsten Tag!

Ein Tagebuch führen bedeutet nicht, dass jeder Tag mit ein paar Zeilen erwähnt wird. Manche Menschen schreiben wochen- oder monatelang nichts in ihre Kladde. Doch dann gelangen sie auf ihrem Lebensweg an einen wichtige Wegmarke, vielleicht seit vielen Jahren erwartet, vielleicht völlig überraschend. Und dann füllen sich die Seiten im Tagebuch wieder! Ich finde es besonders schön, wenn ein Ferientagebuch geführt wird. Jahre später kann dann das Erlebte zusammen mit den Photos noch einmal vergegenwärtigt werden.

Hier noch ein paar Tipps: Es müssen keine aufwendig verarbeiteten und gebundenen Bücher sein, schlichte linierte Notizhefte sind in der Handhabung viel einfacher. Am besten liegen sie jederzeit griffbereit auf dem Arbeitstisch und laden dazu ein, auch heute ein paar Zeilen zu schreiben. Es muss auch kein teurer Federhalter her, Kugelschreiber oder Bleistift genügen! Ein Tagebuch ist etwas lebendiges, es können auch Papierstücke eingeklebt werden, die es wert sind, aufbewahrt zu werden. Eine Visitenkarte zum Beispiel, oder ein ganz prosaischer Bierdeckel, auf den jemand etwas wichtiges notiert hat…

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