Grüeni Wälder, dunkli Schatte

Die kalten Winterlüfte sind weitergezogen, in der wärmenden Märzensonne schmilzt der letzte Schnee. Und beim Erwachen eines neuen Tages sind vor dem Fenster die ersten hellen Amselstimmen zu hören. Sind nicht gerade dies die schönsten Frühlingstage, die noch zaghaft, aber doch stets milder und kraftvoller den Winter und die Kälte vergessen lassen? Die Erlebnisse im jungen Frühling, wenn auf den noch kahlen und winterlichen anmutendenden Wäldern die ersten Triebe zu entdecken sind? Wenn es gerade so ist, als ob der erste warme und heitere Frühlingstag auch uns selbst anrührt.

Jakob Ummel

Jakob Ummel
Bild: bkjv.ch

Und dann, wenn wir unter der Märzensonne über Feld und Steg gehen und deutlich fühlen können, wie überall sich neues Leben bemerkbar macht, dann kommt gerne der Gedanke, wie schön es doch wäre, gerade diesen einzigartigen und schönen Moment festzuhalten. Auch Jakob Ummel, der berühmte Berner Jodler, Dichter und Komponist mag so gedacht haben. Oft empfing er die Inspiration zu einem neuen Lied gerade auf einer Wanderung, in der Stille und Abgeschiedenheit einer Alp oder an einem besonders schönen Frühlingstag, so wie wir sie gerade erleben. So mag auch das Lied «Bärnbiet» entstanden sein, das mit der Worten beginnt:

Grüeni Wälder, dunkli Schätte
Hinde dra der Firneschnee.
Wie ne Garte Fäld und Matte
Säg, mys Härz, was wit no meh?

Längst hat die innige und unverwechselbare Melodie mit dem Liebesbekenntnis an den Kanton Bern den Status eines Volksliedes erlangt, das überall bekannt ist. Gerade im Frühling, wenn landauf und landab die Jodler zum Konzert oder Heimatabend einladen, wird immer wieder das «Bärnbiet» von Jakob Ummel angestimmt und mit grosser Überzeugung gesungen.

Gerne sass der Volksdichter und Komponist auf dem «Bänkli» vor seiner Jodlerklause ob Habstetten am Bantiger. Vielleicht kennen ja auch wir so ein «Plätzli», das wir immer gerne aufsuchen und das sicher gerade an einem ersten Frühlingstag unvergleichlich schön ist. Und, wer weiss, vielleicht ein Lied anstimmen, um damit den Frühling zu begrüssen, gerade so wie es die Jodler machen, um ihrer Freude Ausdruck zu geben. Und dann wird das Erleben eines schönen Tages gestützt und getragen von einer Melodie, die wir gerne hören. So bleibt der Moment gewiss in Erinnerung, lässt sich das Frühlingserleben in unserem Gedächtnis festhalten um – zurück im Alltag – für einem Moment wieder aufzuleben.

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