Dieser Blog ist unpolitisch. Und das wird auch so bleiben! Im Moment geschieht aber etwas, das über die Politik hinaus interessant scheint: Die allseits beliebte Cervelat wird zum Sujet für einen Abstimmungskampf. Warum ich das interessant finde?

Darum: Viele mögen sich noch so wie ich an die Kinder- und Schulzeit erinnern. Wir sassen irgendwo zusammen; vielleicht im Sommerlager der Schule oder Abends gemeinsam mit Freunden irgendwo an der Emme, im Wald oder auf einer Anhöhe. Und dann wurde ein Feuer gemacht, eingefasst mit Steinen, angezündet mit dürrem Holz, das wir zuvor eingesammelt hatten. Damit kam ein schönes Gefühl der Freiheit auf, plötzlich waren Schule, das Zuhause oder Verpflichtungen irgendwelcher Art weit, weit weg. Im Schein des Feuers unter dem Abendhimmel kam eine wohlige Bonanza Stimmung auf! Und dann, dann wurden Stecken an einem Ende zugespitzt und eine zuvor mit dem Taschenmesser eingeschnittene Cervelat aufgesteckt. Und zuletzt über das knisternde Feuer gehalten, bis sie würzig fein roch und die aufgeschnittenen Enden sich nach aussen bogen.
Das ist die Cervelat! Sie ist mehr als einfach nur eine Wurst; für viele von uns ist sie ein schönes Stück Erinnerung. Und nun taucht sie plötzlich auf einem Werbeplakat auf, „mein Essen, meine Wahl“. Jawohl, die geliebte Cervelat lassen wir uns aber nicht nehmen! Wo bleibt sonst die Freiheit? Die Unabhängigkeit am Lagerfeuer? Wo bleiben Winnetou und Old Shatterhand? Es ist eine zunehmend verminte Zeit, in der wir Leben; plötzlich blicken Beamte, Politiker und Gesundheitsapostel argwöhnisch und säuerlich in unseren Teller! Liegt da wohl etwas, das ungesund ist? Das irgendwie nicht zu einer Lebensmittelverordnung passt oder das einen Namen hat, der politisch inkorrekt geworden ist?
Egal! Die Cervelat wird bleiben, ganz egal, wie die Abstimmung ausgeht. Und mit der Cervelat behalten wir auch die Erinnerung an eine Zeit, als so manches noch etwas weniger schwerfällig war.
